Wir sind in der dunklen Jahreszeit angekommen und die kalten Tage wecken die Sehnsucht nach Sonne und Wärme. Da sich die Sonne aber nur schwierig durch den grauen Novemberschleier kämpfen kann, empfiehlt sich eine Reise - raus aus dem Schmuddelwetter und rein ins Paradies. Die freie Journalistin Doris Neubauer berichtet über ein mögliches Ziel, die Malediven.
Die Österreicherin ist Erlebende, Reisende, Entdeckende - und vor allem eine, die nicht still sitzen kann. Von ihren Abenteuern erzählt Doris seit einigen Monaten auf ihrem Blog www.littlemissitchyfeet.com. Ob Leben und Arbeiten in einer Yoga-Community auf Hawaii, Monate des Backpackens durch Südamerika oder der Besuch des einzigen Ökodorfs in Irland - sie ist ständig auf der Reise. Worum es ihr geht: Um bewusstes, nachhaltiges Unterwegssein, um alternative Inspirationen für den eigenen Alltag und um die Menschen dahinter, die die Welt nicht nur Schritt für Schritt entdecken, sondern auch ein Stück weit verbessern möchten.
In dem folgenden Artikel beschreibt sie die andere Seite des Paradieses und berichtet über Menschen, die helfen wollen.
Ein paar Inseln – eine kleiner und einsamer als die andere - umgeben von türkisfarbenem Meer, das in der Sonne glitzert. Honeymoon-Paradies mitten im Nirgendwo, wo die einzige Sorge darin besteht, welchen Cocktail man sich zuerst an den Pool liefern lassen soll. Ich gebe zu, mein Bild von den Malediven war ein sehr einseitiges (ein Grund, warum mich der Inselstaat nicht interessiert hat). Bis bei den ERDgesprächen der Film “The Island President” über den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Inselstaats Mohamed Nasheed gezeigt wurde.
Ich habe die Dokumentation damals nicht gesehen, aber irgendetwas hat “Klick” gemacht – die Malediven haben mich seither nicht los gelassen. Vielleicht, weil es den Inselstaat bald nicht mehr gibt: Das Paradies mit seinen 1.196 Inseln, von denen 200 bewohnt und weitere 87 als reine “Ressortinseln” nur TouristInnen vorbehalten sind, droht nämlich wegen der globalen Erwärmung im Meer zu versinken. Eine Gefahr, die Nasheed bis zu seinem (“erzwungenen”) Rücktritt im Februar 2012 laut nach außen und innen kommuniziert hat und zu der er wohl auch in Zukunft nicht schweigen wird.
“Ich denke, dass man als einzelner versuchen sollte etwas zu bewegen und zu verändern. Daher werde ich nicht aufgeben, auch wenn das Ergebnis sein sollte, dass diese/r Staat/en nicht mehr zu retten ist!” Nein, diese Aussage stammt nicht von Nasheed, nicht von einem anderen Staatsmann der Malediven, sondern von Mascha Blome. Die Deutsche hat sich in den Inselstaat verliebt, als sie als 19-jährige auf der Ressortinsel Machchafishi gearbeitet hat. Nicht, dass ihre ersten Erfahrungen so positiv gewesen wären, ganz im Gegenteil: 7-Tages-Woche, Passentzug, keine Ausreisemöglichkeit, kaum Kontakt mit der Familie – und das alles für 400 USD pro Monat. Die ehemalige Philosophiestudentin, die seit klein auf Meeresbiologin werden wollte, hat am eigenen Leib erfahren, dass die Arbeitsbedingungen vor Ort genauso wenig paradiesisch sind wie so manches andere. ”Ich habe auch gehört, dass der gesamte Inselmüll nachts auf Dhonis (Anm.: traditionelle Holzboote) geladen und ins offene Meer geleert wird”, fügt Mascha hinzu – etwas, was ihr bei ihrem letzten Aufenthalt auf den Malediven bestätigt wurde.
“Seit diesen Erfahrungen haben mich die Malediven und die Menschen dort nicht mehr losgelassen”, erzählt Mascha, die zurzeit ihr Geld als Sprechstundenhilfe verdient, “ich habe nie aufgehört davon zu träumen, eines Tages wieder auf die Malediven zurück zu kehren und dort etwas Gutes für die Bevölkerung sowie die Umwelt zu tun.” Das Versprechen, das sie damals gegeben hat, hat sie eingehalten: Vor zwei Jahren hat sie den gemeinnützigen Verein arkipal e.V. gegründet. Gemeinsam mit motivierten Bekannten auf den Malediven und der NGO VFF (Velidhoo Future Foundation) möchte sie Einheimische wie TouristInnen über das Müllproblem aufklären: “Denn das führt unweigerlich auch zum Klimawandel, weil die Fauna und Flora der Inseln und des Meeres wichtig für das Gleichgewicht der Malediven sind. Sind beide angegriffen haben die Inseln keinen natürlichen Schutz mehr.” Vor allem Ressorts möchte Mascha als Kooperationspartner an Bord holen und versucht im Moment in ihrer Freizeit von Deutschland aus, das Projekt bekannter zu machen sowie UnterstützerInnen zu finden, ”schließlich sind Hotels nicht unschuldig an der Umweltverschmutzung. Zum Beispiel durch den Müll, der oft im Meer entsorgt wird und durch die Strömung an den Stränden der Einheimischeninseln landet, wo er Tiere und Korallen gefährdet. Oftmals werden auch Palmen von anderen Inseln zu den Ressorts transportiert, was wieder zu Erosionsgefahr auf der Spenderinsel führt.” Um Schuldzuweisungen geht es der Bremerin aber nicht, “wir wollen Alternativen für die Rettung der Malediven und anderer vom Klimaschutz bedrohten Staaten aufzeigen. Auf diese Weise könnten sie (Anm.: die Ressortbetreiber) der Natur etwas zurückgeben.”
Der Wiederaufbau beziehungsweise die Stärkung der schon angegriffenen Riffe mit so genannten Korallentischen, die Einführung von Recycling und Kompostierung, die Aufklärung der Einheimischen sowie der umliegenden Ressorts – auf Mascha wartet im November viel Arbeit, wenn sie für drei Monate auf die Malediven zurückkehrt. Auf lange Sicht ist außerdem geplant, mit der DAM Divers Association Maldives eine Art “Taucherpolizei” wie am roten Meer zu entwickeln. Die soll unter anderem darauf achten, dass Korallen nicht für den besten Schnappschuss aufs Spiel gesetzt werden. Zusätzlich möchte die Deutsche den InselbewohnerInnen mit einem Show-House zeigen, wie kostensparend und effizient Erneuerbare Energien – Solar, LED-Lampen oder Biogasanlagen – sind. Projekte, die arkipal nur mit Hilfe von Spenden umsetzen kann. “Pro Jahr fliegen allein ca. 60.000 deutsche TouristInnen auf die Malediven”, berechnet Mascha, die sich vor allem FördermitgliederInnen mit monatlich individuellen Fixbeiträgen für arkipal wünscht, “wenn jeder nur einen Euro spenden würde, wären unsere Träume, Ziele und Projekte viel leichter realisierbar.” Von den Ressorts kommt im Moment wenig Hilfe: So stand Mascha lange mit einem Hotel in Kontakt, um ein Konservierungsprogramm auf der Insel zu initiieren. “Am Ende wurde uns ein 6 Tage-pro-Woche-Job für 350 USD pro Monat in der Tauchschule angeboten.” Nicht die einzige enttäuschende Reaktion, bei der man sich fragt, ob die Bemühungen von Ressorts in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein reinster Marketinggag sind.
Dann lieber gar keine TouristInnen!? “Die maledivische Regierung unter Nasheed nutzte Teile der Einnahmen und Tourismussteuer um die Umwelt zu schützen, die Folgen des Klimawandels auszubessern und Gegenmaßnahmen zu ergreifen”, plädiert Mascha für das “notwendige Übel” Tourismus, das neben der Fischerei wichtigste Einnahmequelle der Bevölkerung ist. Aber es braucht Regeln. ”Die TouristInnen sollten sich vor der Reise auf die Malediven über das Land, die Traditionen, die Umwelt und die Probleme vor Ort informieren und sich dementsprechend verhalten”, so die Bitte - nein, der Aufruf der Umweltschützerin an uns alle, die wir die Malediven auf der Bucketlist haben. “Man sollte hier ansetzen, indem man ihnen auferlegt, einen geringen Betrag an die Einheimischen, NGOs und nachhaltige Projekte zu spenden. Ich denke, indem sie diese einzigartige Umwelt nutzen und genießen, tragen sie eine Verantwortung, diese zu erhalten!”
Statt in den nächsten Cocktail sollten wir somit vielleicht doch besser in diesen “Putztrupp” für die Malediven investieren…
Finanzielle Unterstützung für das Projekt sind ebenso willkommen wie weitere Mundpropaganda oder Mithilfe vor Ort.